Winterräder

MVCruiser

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2 Mai 2006
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Mein Auto
T5 Multivan
Erstzulassung
03.2006
Motor
TDI® 96 KW
DPF
nein
Motortuning
no
Getriebe
6-Gang
Antrieb
Front
Ausstattungslinie
Cruise
Hallo, bin in Frage Winterräder unbedarft und brauche schnelle Hilfe. Fahre einen MV Cruise (MJ 2006) mit 235x55 R17 "Solace" Bereifung.

Muss nun wohl Winterräder kaufen und bin nicht sicher, wonach ich schauen soll bzw. worauf es tatsächlich ankommt. Da die Räder ohnehin nur über die Wintermonate drauf sind, müssen sie nicht besonders chic sein - Hausmannskost eben. Funktional-wintertauglich und günstig lautet die Devise. Wer kann mit Tipps bezüglich Felgengröße (und Reifen) geben?

Danke
Reinhard
 
AW: Winterräder

Hallo,

vorweg:
Ich bin kein Kenner der Materie.

Für unseren MV Cruise 4 Motion (MJ 2006) haben wir die Rial Flair 16" im Rahmen der Winterreifen-Aktion hier im Board (s. gesondertes Thema) geordert.

M.W. sollte man u.a. auf den Tragfähigkeitsindex (serienmäßig bei unserem Cruise verbaut: 103 Y) achten.

Mit der Angabe der serienmäßig verbauten Pneus und dem KFZ-Schein sollte jeder Reifenhändler in der Lage sein, eine Empfehlung auszusprechen.

Viele Grüße
4Motion
 
AW: Winterräder

Hallo,

vorweg:
Ich bin Kenner der Materie.

Warum willst Du eigentlich jetzt, in der herangaloppierenden Winterzeit nämlich, den Reifen weniger Stellenwert einräumen als im Sommer? Gerade in den nächsten Monaten wird die Fahrfreude und die Sicherheit des Autos von den Reifen geradezu dominiert. Warum ein so wertvolles Fahrzeug mit dem "Nötigsten" ausstatten? Hausmannskost eben? Prima: Die technische und optische Erotik des Autos für ein halbes Jahr auf Eis legen. Wie langweilig.

Das Gegenteil ist richtig! Gib' ihm jetzt das Beste, spar nicht am falschen Ende. Fahre, und das ist mein Tipp vom Fachmann, genau die Dimension, die Du auch im Sommer gefahren bist. So wirst Du in Handling, Bremsvermögen und Komfort praktisch keine Unterschiede feststellen. Sehr wohl aber, wenn Du der Unart folgst, auf Sparformate runterzurüsten. Grund: Die Schmalhanse, durch die Lamellentechnologie ohnehin profilmäßig "aufgeweicht" und daher in gewisser Weise benachteiligt, können ion puncto Bremsweg nicht mithalten.

Die Tendenz zu schmalen Winterpneus entstammt einer Zeit, als Winterreifen noch markante Aquaplaningprobleme hatten. Das ist aber Vergangenheit. Und da Winterreifen früher unattraktive und zudem laute Übergangs-Reifen waren, hält sich bis heute bei manchen Fahrern die Überzeugung, die Investition in vollwertige Winterreiofen lohne sich nicht. Das ist heute aber nicht mehr richtig. Es bedeutet vielmehr den Verzicht auf kaufbare Hoch-Technologie.

Wozu das? Um ein paar Euro zu sparen? Ich ziehe im Winter doch auch einen vollwertigen Pullover an und kein ausgeleiertes T-Shirt.

Sorry, aber manchmal verstehe ich diese Denkweisen innerhalb eigentlich doch sehr autobewusster und fahrphysikalisch doch eher aufgeklärter Fahrer (ist das der T5-Fahrer nicht per se?) nicht.
 
AW: Winterräder

Hallo,

vorweg:
Ich bin Kenner der Materie.
Hallo Parasol,

ich hätte dann mal eine Frage an Dich als Experten.
Bei mir steht der Kauf eines T5 Cali - 4Motion an und bin mir über die Wahl der Bereifung noch nicht im klaren
(=> ob Serie mit 215/65-16 Zoll oder 17 Zoll (215/60-17), oder 235-er auf 16 oder 17 Zoll, ....).

Zu den Anforderungen:
Ich lege überhaupt keinen Wert auf Optik (also nicht möglichst breit und möglichst tief nur der Optik wegen ;) (eher das Gegenteil !!), ein paar Zehntel schneller durch die Pylonengasse oder Vmax auf der Autobahn,
sondern bei einem Fern-Reisefahrzeug auf Robustheit (ab und zu unbefestigte Straßen (auch richtig üble)), lange Lebensdauer, leichte Ersatzteilbeschaffung bei moderatem Preis (=> keine exotische Dimension die schwer beschaffbar ist, z. B. im Ausland), gleiche Reifengröße Winters wie Sommers auf Stahlfelge.

Was wäre denn nach Deiner Einschätzung ein gesunder Kompromiss bei diesem Anforderungsprofil?

Viele Grüße
Ralf
 
AW: Winterräder

So wirst Du in Handling, Bremsvermögen und Komfort praktisch keine Unterschiede feststellen. Sehr wohl aber, wenn Du der Unart folgst, auf Sparformate runterzurüsten. Grund: Die Schmalhanse, durch die Lamellentechnologie ohnehin profilmäßig "aufgeweicht" und daher in gewisser Weise benachteiligt, können ion puncto Bremsweg nicht mithalten..

Hm....... so ganz bin ich da nicht Deiner Meinung, es bestehen doch deutliche (selbst erfahrene) Unterschiede im Bremsweg & Nässeverhalten zwischen Sommer & Winterreifen gleicher Raddimension am selben Auto.

Die bessere Traktion auf Schnee traue ich (durchaus laienhaft) dem schmaleren Reifen zu, aber das überlaß ich in letzter Konsequenz den Bewohnern der Alpenregionen.
Ich bin mir sicher, daß der ADAC schmale & breite Winterreifen für ein Fahrzeug schon mal miteinander verglichen hat.
Und wer mal Schneeketten braucht, hat eh keine andere, als die "Schmalspur" Wahl.

Es ist sicherlich richtig, daß die heutigen modernen (Silica-) Gummimischungen breite Aufstandsflächen bei dennoch guter Wintertauglichleit gewährleisten.

Aber es ist genauso wenig für den Laien durchschaubar, wie sich nun so ein Reifen wirklich auf kalter oder eben noch nicht so kalter Fahrbahnoberfläche verhält.
"Die 5°C Lüge" aus dem letzten Jahr ließ noch viele Fragen offen.

Journalist hin oder her, ich habe den Eindruck, daß zti Thema Winterreifen viele Meinungen, in entsprechendem Zusammenhang dargestellt, richtig sein können.
Hier spielen natürlich auch Herstellerinteressen eine Rolle.
(Seitenhieb: Es gibt Reifenbetriebe, die verweisen ganz unverfroren auf eine Winterreifenpflicht.... :eek: ....die es nach wie vor nicht gibt...)

Nur 2 Dinge finden sich konsequent in allen Berichten wieder:
- ausreichendes Profil
- korrekter Luftdruck

und daß darauf leider immer noch viel zu wenig geachtet wird und mind. das Fehlen eines der beiden Faktoren mehrheitlich auslösend für eine Reifenpanne war

Und grundsätzlich gilt (für mapman):
Die zugelassenen technischen Eigenschaften des Fahrzeuges werden mit der Serienbereifung in vollem Umfang, also Spritverbrauch, aber auch Vmax & Bremsweg erreicht.
Wenn man sich ausschließlich in diesem Bereich bewegen will, greift man zu gleich dimensionierten "Basis" Sommer & Winterreifen.
 
AW: Winterräder

Hm....... so ganz bin ich da nicht Deiner Meinung, es bestehen doch deutliche (selbst erfahrene) Unterschiede im Bremsweg & Nässeverhalten zwischen Sommer & Winterreifen gleicher Raddimension am selben Auto.

Ja, richtig: Etwa bis zum Gefrierpunkt hast Du auch im Winter mit Sommerreifen fast nur Vorteile (auch wenn mich die Reifenhersteller wegen dieses Tabubruchs jetzt anprangern, ich rede aber aus eigener Test-Erfahrung. ABER (!!!): Das Blatt wendet sich augenblicklich, sobald auch nur EINE Schneeflocke fällt. Auf Schnee versagen die Sommerpneus völlig, da hilft auch Silika nicht mehr (abgesehen davon, dass das jetzt generell 20 Euro kostet)!

Unter 0°C verhärten die Sommerreifen rapide, ihre Sommergummimischung radiert jetzt nur noch statt die Makrostruktur des Asphalts zu kopieren. Folge: Zunahme des Bremswegs trotz viel höheren Profil-Positiv-Anteils!

Die bessere Traktion auf Schnee traue ich (durchaus laienhaft) dem schmaleren Reifen zu, aber das überlaß ich in letzter Konsequenz den Bewohnern der Alpenregionen.
Ich bin mir sicher, daß der ADAC schmale & breite Winterreifen für ein Fahrzeug schon mal miteinander verglichen hat.

Klares NEIN. Breitere Aufstandsfläche bedeutet abnehmende Flächenpressung. Je niedriger die Flächenpressung, desto höher die übertragbaren Seiten- und Bremskräfte.
Richtig ist, dass schmalere Reifen im TIEFSCHNEE Vorteile bieten – weshalb Rallyefahrer eine Kombination aus Schmal-Winterreifen und Spikes benutzen.

Und wer mal Schneeketten braucht, hat eh keine andere, als die "Schmalspur" Wahl.

Richtig. Aus technischen Gründen (Freigängigkeit) ist der Dimensionsexplosion nach oben eine Grenze gesetzt.

Es ist sicherlich richtig, daß die heutigen modernen (Silica-) Gummimischungen breite Aufstandsflächen bei dennoch guter Wintertauglichleit gewährleisten.

Aber es ist genauso wenig für den Laien durchschaubar, wie sich nun so ein Reifen wirklich auf kalter oder eben noch nicht so kalter Fahrbahnoberfläche verhält.
"Die 5°C Lüge" aus dem letzten Jahr ließ noch viele Fragen offen.

Es war die 7-Grad-Lüge, die aber keine ist: Es war und ist eine durchaus vernünftige RICHTGRÖSSE, nach der man sein Umrüstverhalten orientieren kann: Fällt das Thermometer auf sieben Grad, ist es Zeit umzurüsten. Das heißt nicht, dass die Sommerreifen jetzt automatisch nichts mehr taugen. Ich verweise aber trotzdem noch mal auf die Gefahr von Schneefall. Dann geht NICHTS mehr. Gerade moderne Sommerreifen sind auf Schnee SCHLECHTER als die früherer Generationen.

Journalist hin oder her,

Lieber hin. Ich schreibe nicht nur darüber, ich teste auch selbst für Auto-Fachmagazine und war vor meinem jetztigen Job selbst Reifenentwickler und -versuchsleiter
ich habe den Eindruck, daß zum Thema Winterreifen viele Meinungen, in entsprechendem Zusammenhang dargestellt, richtig sein können.
Hier spielen natürlich auch Herstellerinteressen eine Rolle.
(Seitenhieb: Es gibt Reifenbetriebe, die verweisen ganz unverfroren auf eine Winterreifenpflicht.... :eek: ....die es nach wie vor nicht gibt...)

Nur 2 Dinge finden sich konsequent in allen Berichten wieder:
- ausreichendes Profil
- korrekter Luftdruck

und daß darauf leider immer noch viel zu wenig geachtet wird und mind. das Fehlen eines der beiden Faktoren mehrheitlich auslösend für eine Reifenpanne war

Und grundsätzlich gilt (für mapman):
Die zugelassenen technischen Eigenschaften des Fahrzeuges werden mit der Serienbereifung in vollem Umfang, also Spritverbrauch, aber auch Vmax & Bremsweg erreicht.
Wenn man sich ausschließlich in diesem Bereich bewegen will, greift man zu gleich dimensionierten "Basis" Sommer & Winterreifen.

Viele Grüße

Dirk
 
Zuletzt bearbeitet:
AW: Winterräder

Hallo Parasol,

ich hätte dann mal eine Frage an Dich als Experten.
Bei mir steht der Kauf eines T5 Cali - 4Motion an und bin mir über die Wahl der Bereifung noch nicht im klaren
(=> ob Serie mit 215/65-16 Zoll oder 17 Zoll (215/60-17), oder 235-er auf 16 oder 17 Zoll, ....).

Zu den Anforderungen:
Ich lege überhaupt keinen Wert auf Optik (also nicht möglichst breit und möglichst tief nur der Optik wegen ;) (eher das Gegenteil !!), ein paar Zehntel schneller durch die Pylonengasse oder Vmax auf der Autobahn,
sondern bei einem Fern-Reisefahrzeug auf Robustheit (ab und zu unbefestigte Straßen (auch richtig üble)), lange Lebensdauer, leichte Ersatzteilbeschaffung bei moderatem Preis (=> keine exotische Dimension die schwer beschaffbar ist, z. B. im Ausland), gleiche Reifengröße Winters wie Sommers auf Stahlfelge.

Was wäre denn nach Deiner Einschätzung ein gesunder Kompromiss bei diesem Anforderungsprofil?

Viele Grüße
Ralf

Hallo Ralf,

als Allradler hast Du natürlich unschätzbare Traktions-, aber KEINE Bremsvorteile durch den 4Motion-Antrieb. Ich würde Dir, wie auch bereits an anderer Stelle geschehen, empfehlen (falls finanzielle Gründe nicht dagegen sprechen) die gleiche Dimenssion wie im Sommer zu fahren – nicht mehr und nicht weniger. Wenn Du etwas sparen möchtest, dann kauf Dir statt der Original-Alu-Räder solche aus Stahl (die sind aber schwerer) oder günstige aus Alu auf dem freien Markt (auf T5-Tragfähigkeit achten!).

Viele Grüße

Dirk
 
AW: Winterräder

M.W. sollte man u.a. auf den Tragfähigkeitsindex (serienmäßig bei unserem Cruise verbaut: 103 Y) achten.

Völlig richtig! Der Loadindex 103 muss eingehalten werden. Y ist übrigens der Speedindex.

Mit der Angabe der serienmäßig verbauten Pneus und dem KFZ-Schein sollte jeder Reifenhändler in der Lage sein, eine Empfehlung auszusprechen.
Das mehje (hoffe) ich auch!

Viele Grüße
4Motion

Viele GRüße

Dirk
 
AW: Winterräder

Hi Tom,

ich bin mir allerdings ziemlich sicher, dass Du...

noch mal Glück gehabt hast!
 
AW: Winterräder

ich bin mir allerdings ziemlich sicher, dass Du...

gerne mit der Zitatfunktion herumspielst....:D

also, wenn ich mein Schriftgrad so anpassen würde, nur weil ich eine andere Meinung habe, dann hätten wir hier ziemlich bauchige threads.
Insofern, ohne inhaltlichen Zusammenhang, an Dich die Aufforderung, Deinen etwas zu
groß geratenen Beitrag etwas einzudampfen. :pro:

Auch wenn Du Dich als Berufener (& vielleicht auch Auserwählter) etwas angepiekst fühlst, das ist hier NICHT die Autobild mit ihren Megaüberschriften! :danke:
Kunst kommt von Können, hier ist aber das Können gefragt, welches sich nicht hinter Kunst verbergen sollte.

Zum Inhalt:
Ich gestehe ja, 5 oder 7 Grad Lüge....das ist mir als Nicht-Berufener nicht tagtäglich präsent, das letztjährige öffentliche Hickhack um Bremswege bei NÄSSE bis 0°C, die bei Sommerreifen kürzer sein sollen, hingegen schon.

Unter 0°C verhärten die Sommerreifen rapide, ihre Sommergummimischung radiert jetzt nur noch statt die Makrostruktur des Asphalts zu kopieren. Folge: Zunahme des Bremswegs trotz viel höheren Profil-Positiv-Anteils
Ja neee is klar....:confused: Und was heißt das?
Ist ja toll, so eine fachliche Aussage, aber es wäre nett, sie mir & auch den anderen hier im Board etwas verständlicher näherzubringen.

Daß bei schneebedeckter Fahrbahn der Ofen aus ist, wurde auch letztes Jahr so nicht bestritten..
Was haben dann die von Dir erwähnten Spikes im Tiefschnee für einen Sinn? Vom Rallyefahren mal ganz abgesehen, daß die bei uns eh' nicht mehr zulässig sind?

Nach wie vor wüßte ich in dem Zusammenhang schon gerne, ob ein T5 mit 215 oder 255 breiten Winterrädern auf einer Steigung mit SCHNEE die bessere Traktion hat.

so....

und nun kommst Du... :D
 
AW: Winterräder

Hi Thilo,

okay, dann versuch ich's noch mal:

1) Schriftgröße und Farbe wieder normal. Und um die Kunst zu verteidigen: Ernst ist das Leben, aber heiter die... na, Du weißt schon. Was das Können angeht: Ich gebe mir Mühe.

2) Bin weder berufen noch auserwählt. Aber Aussagen, die die Fahrsicherheit berühren, betone ich eben gerne. Ansonsten siehe 1)

3) Spikes greifen erst in der Eisschicht unter dem Tiefschnee, dann aber richtig. Sind aber hier zu Lande verboten. Die Skandinavier lieben sie, haben aber auch nicht mit den Folgekosten wegen Asphalt-Zerstörung zu kämpfen (dort wesentlich mehr Schotteranteile).

4) Zur Verhärtung von Sommerreifen: Lege mal einen Radiergummi in den Eisschrank und versuche Stunden später, etwas mit dem Bleistift Geschriebenes auszuradieren. Geht nicht, es schmiert nur.

Auf Reifen bezogen: Gummi ist ein elastischer Werkstoff, dessen Eigenschaften stark temperaturabhängig sind (es gibt auch andere Parameter wie z.B. Lastfrequenz, Vernetzungsgrad der Schwefelbrücken u.v.m., aber das ist ein anderes Thema). Für jede eingestellte Gummimischung gibt es eine so genannte "Glastemperatur", das ist die Temperatur, bei der die Mischung versprödet (für die Physiker: hängt vom Elastizitätsmodul ab). Bei Sommerreifen liegt diese, grob gesagt, knapp unter dem Gefrierpunkt. Nehmen wir mal an, Du fährst mit Deinen Sommerreifen auf stark unterkühlten Fahrbahnen, so -10° oder kälter. Tiefer Winter also, die Straßen mögen bei herrlich blauem Himmel dennoch völlig trocken sein. Bedingungen, unter denen viele Autofahrer denken: Fahr ich doch mit meinen Sommerreifen weiter, es schneit ja nicht.

Denk wieder an den oben erwähnten Radiergummi. Alle Lenk-, Brems- und Antriebskräfte müssen Deine vier Reifen übertragen. Mehr als diese vier Postkarten-großen Flächen hast Du nicht. Das tun sie durch zwei Effekte: a) molekulare Adhäsion (nennen wir es vereinfachend "Grip"; und b) Verzahnungseffekt. Letzterer funktioniert so: Die Oberfläche des Profilblocks dringt beim Abrollen des Reifens innerhalb der Aufstandsfläche in die relativ grobe Struktur des Asphalts ein (Tipp an alle: legt Euch mal mit der Lupe auf die Straße und schaut Euch diese Kraterlandschaft an...) und "verzahnt" sich dort. Nun kann der Reifen, da ein Gegenmoment gebildet wurde, Kräfte in Horizontalrichtung übertragen. Stell Dir einen Nagel vor, der überträgt Kräft auch nur, wenn Du ihn in die Wand einschlägst, nicht aber, wenn ihn nur über die Oberfläche hältst.

Unterkühlte Gummimischungen (Sommerreifen) dringen aber nicht mehr oder nur oberflächlich in den Asphalt ein. Folge: Der wichtige Verzahnungseffekt versagt. Und deshalb übertragen Sommerreifen jetzt nicht mehr in dem Maße die Kräfte, wie sie es bei höheren Temperaturen tun. Weiterer Effekt: Durch den deutlich erhöhten Schlupf und die gestiegene Härte verschleißen Sommerreifen jetzt überproportional! (Ich hoffe, ich drücke mich verständlich aus!)
Winterreifen fühlen sich hingegen jetzt pudelwohl: Ihre kälteresistente und -optimierte Gummimischung (durch höheren Naturkautschukanteil; Sommerreifen: mehr Synthetikkautschuk) bleibt hochelastisch, der Verzahnungseffekt bleibt erhalten! Nachteil: Winterreifen "schmieren", sobald sie hohen Temperaturen ausgesetzt werden (ab. ca. +20° Celsius).

5) Ob der T5 nun mit schon abgefahrenen 215er-Winterreifen oder nagelneuen 255er-Winterpneus oder umgekehrt den Hang erklimmt – das lässt sich nicht pauschal beantworten. Luftdruck, Profilzustand, Reifenalter, Temperatur, Lastverteilung im Fahrzeug – viele Faktoren entscheiden über ankommen oder stehen bleiben. Hier bringt erst ein Vergleich Erkenntnisse, und dann auch nur mit den getesteten Reifen unter genau den bekannten Testbedingungen. Mein Tipp, weder über- noch unterzudimensionieren, hat sich noch immer als guter Kompromiss bewährt. Ist Dein Fahrzeug mit 215er-Sommerpenus bestückt – bleib dabei und fahre dieses Format auch im Winter!

War das jetzt okay, Thilo?

Viele Grüße

Dirk
 
Zuletzt bearbeitet:
AW: Winterräder

War das jetzt okay, Thilo?

Ja...:D
und vor allem allgemeinverständlich das Problem erläuternd. :pro:
Sind ja nicht alles Fachleute hier an Board.

Solche Beiträge erfüllen den tieferen Sinn des Boardes! :danke:
 
AW: Winterräder

Klasse Erklärung Dirk :danke: .

Haben denn die Winterreifen eine andere Gummimischung?Oder wieso haben sie diesen Radiergummieffekt (nenn ich jetzt mal so) nicht?

Gruss

Frank
 
AW: Winterräder

Hallo Frank,

Winterreifen unterscheiden sich im Wesentlichen durch zwei Kriterien von den Sommerkollegen:

1) die Profilgestaltung (insbesondere sei die Lamellentechnologie erwähnt)

2) die Gummimischung des Laufstreifens. Diese Mischung mit hohen Naturkautschukanteilen bleibt auch bei tiefen Temperaturen elastisch und versprödet nicht wie die von Sommerreifen

Winterreifen verzichten zu Gunsten der Tieftemperatur-Elastizität meist auf eine Nylonbandage unter dem Laufstreifen. Diese Bandage verhindert aber bei sehr hohen Geschwindigkeiten das Größenwachstum des Reifens durch die Zentrifugalkräfte. Deshalb ist bei den meisten Winterreifen bei Tempo 210 (Speedindex H) Schluss. Seit einigen Jahren gibt es aber in immer mehr Dimensionen mit Speed-Index V (bis 240 km/h) und sogar erste mit W (bis 270 km/h). Davon halte ich aber nicht sehr viel, da mit zunehmendem Speed-Index die Schnee-Eigenschaften immer mehr abnehmen. Mein Tipp: Für den T5 128 kW reicht Speed-Index T (bis 190 km/h) völlig aus. Dumm nur, dass es z.B. die Dimension 235/55-17 gar nicht in T oder meinetwegen in H gibt, sondern (wie in meinem Fall; Michelin Pilot Sport) nur als V! Hat natürlich viel mit Marketing zu tun...
 
AW: Winterräder

Hallo Ralf,

als Allradler hast Du natürlich unschätzbare Traktions-, aber KEINE Bremsvorteile durch den 4Motion-Antrieb. Ich würde Dir, wie auch bereits an anderer Stelle geschehen, empfehlen (falls finanzielle Gründe nicht dagegen sprechen) die gleiche Dimenssion wie im Sommer zu fahren – nicht mehr und nicht weniger.

Hallo Dirk, hallo Thilo,
besten Dank für Eure Beratung und Empfehlungen :danke:

Viele Grüße
Ralf
 
AW: Winterräder

@Parasol

Toll erklärt die Funktionsweise der Reifen !!
DANKE- solche Leute braucht das Board!
Hab meine Winterpuschen auch in der 215er Grösse draufgezogen- fahren sich sehr gut.
 
AW: Winterräder

Habe seit einer Woche auch Winterstiefel in 215. Heute am Oberjoch auf ungeräumten Feldwegen (ca. 20 cm Neuschnee) getestet.:) Bin sehr zufrieden. Auch Bremsweg auf festgefahrem Schnee auf Parkplatz i.O.:)
 
AW: Winterräder

Wahnsinn, Parasol!:] Habe gerade mehr gelernt als während der ganzen letzten Jahre Fachpresse-Studium! :danke:
Gruß, Paravicini
 
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