Hallo Zusammen,
leider ist es nicht ganz so wie Ihr hier schreibt.
Es gibt maximal seit letzten Jahres Navis welche Galileo Signale verarbeiten können. Derzeit gibt es wenige Smartphones, die Galileo Signale verarbeiten können, z.B. IPhone 8 und höher.
In modernen Navis rechnet ein sogenannter Kalmanfilter die Position und Geschwindigkeit des Nutzers aus Laufzeitmessungen (Pseudoranges) und Dopplerverschiebung. Man kann auch sagen, der Kalmanfilter bestimmt den aktuellen Systemzustand (Bewegungsprofil des Nutzers, also Geschwindigkeit, Beschleunigung, Richtung). Dieser Systemzustand taugt für eine Gewisse Zeit für eine Vorausberechnung, z.B. im Tunnel wo man ja keinen Satellitenempfang hat.
Smartphones, die in der Regel Beschleunigungsmesser haben können im Tunnel deutlich besser weiter rechnen, da die Daten der Beschleunigungssensoren mit in die Berechnung eingehen. Beim fest eingebauten Navi gehen auch die Daten der ABS Sensoren mit ein. Das ganze Verfahren nennt man Dead-Reckoning.
Zusätzlich findet bei den Navis noch ein Map-Matching statt, welches auf der Annahme basiert, daß der Nutzer sich nur auf einer Straße bewegen kann und nicht in der Wiese/Feld/Wasser. Sprich die Position wird auf die Straße "gezogen".
Mann kann seinem Navi/Smartphone oder auch Outdoor-GPS bzgl Geschwindigkeitsangabe sehr gut vertrauen, wenn die Antenne nicht wesentlich abgeschattet ist. Ideal wäre also eine GPS Antenne auf dem Autodach (Haifischantenne z.B. bei BMW). Beim T6 sitzt die GPS Antenne ja im Außenspiegel was schon besser ist als das Smartphone in der Telefonablage neben dem Schalthebel.
Am besten wäre für Geschwindigkeitsvergleiche eine gerade Straße in südlicher Richtung. Da es hauptsächlich auf die Geschwindigkeit ankommt spielen Positionierungsfehler eine geringe Rolle, weil ja immer die Differenz gerechnet wird und zusätzlich die Dopplermessungen eingehen.
@GriLLe: Die Zeit, die ein Empfänger braucht um eine Position zu bestimmen heißt Time-to-first-fix (TTFF). Wenn ein Empfänger garkeine Kenntnis über seine Position, die Zeit und die Satellitenkonstellation hat, dann hat man bei GPS eine maximale TTFF von gut 60 Sekunden, bei Galileo etwas mehr.
Dies hat man z.B. wenn man sein Outdoor-GPS erst hier nutzt, dann nach USA fliegt und dort wieder einschaltet. Es sind zwar noch die gespeicherten Orbits der Satelliten gültig, aber die Position hat sich drastisch geändert und damit die Sichtbarkeit und auch die Dopplerverschiebung. Die Acquirierung der Satelliten ist eine 2-dimensionale Suche im Zeit-Frequenzraum. Mit speicherung der Orbits verkürzt man die Suche im Freuqenzraum drastisch.
Die Smartphones nutzen hier viel mehr Möglichkeiten. Sie ziehen sich die Orbitinformation aus dem Internet (Verkürzung der Dopplersuche), ferner ist der ungefähre Standort durch das Einbuchen ins Mobilfunknetz bekannt, womit auch die sichtbaren Satelliten bekannt sind. Ferner ist das Smartphone zeitlich sehr gut synchronisiert. Die Navigationsdaten werden auch übers Internet gezogen, womit sich die Wartezeit für eine vollständige Übertragung der Navigationsdaten drastisch verkürzt (bei GPS hat man 50bit/s bei Galileo 25bit/s)
Woher ich das weiß? Ich habe an der Entwicklung der ersten Galileo Empfänger mitgearbeitet und arbeite jetzt im Galileo Kontrollzentrum.
Viele Grüße,
Ronny